Sie hatte nie einen Namen. Als ihr Meister sie fand, lag sie am Straßenrand, halb verhungert und dem Tod nahe,…
Sie hatte nie einen Namen. Als ihr Meister sie fand, lag sie am Straßenrand, halb verhungert und dem Tod nahe, nachdem sie giftige Kräuter gegessen hatte.
Ihr Meister rettete sie nicht nur, sondern gab ihr auch einen Namen: Qiulan.
Qiulan, wie der süße Osmanthus, der im Winter blüht.
Viel später erfuhr sie, dass ihr Meister der berühmte Arzt war, der als "Qiu Shuixian" bekannt war und unzählige Leben gerettet hatte.
Doch von all diesen Menschen behielt ihr Meister nur sie an seiner Seite. Vielleicht, nur vielleicht, war ihr Meister ein wenig voreingenommen ihr gegenüber.
Sie lernte die Heilkunst von ihrem Meister und schließlich auch die Kunst der Gifte.
Wohin ihr Meister auch ging, um dem Herrn zusammen mit der Hanging Blade zu dienen, folgte sie ihm. Ihr Gift kam mehr als einmal zum Einsatz, und jedes Mal blickte ihr Meister mit stiller Genugtuung auf sie.
Doch dann starb der Herr, und die Hanging Blade wurde zerstört.
Ihr Meister sagte, der Herr sei an einer Vergiftung gestorben, und die Symptome passten genau zu ihren eigenen Giften.
Verdächtigte ihr Meister sie?
Nein!
Sie protestierte laut. Sie hatte es nicht getan. Sie wusste, wie viel die Hanging Blade ihrem Meister bedeutete. Sie würde niemals etwas tun, um ihm zu schaden.
Doch ihr Meister ging alleine fort, offensichtlich nicht überzeugt.
Sie wusste nicht, was an jenem Tag wirklich geschehen war. Sie fragte immer wieder andere Mitglieder der Hanging Blade, um die Ereignisse zusammenzusetzen. Anfangs antworteten die Leute geduldig. Mit der Zeit verloren sie jedes Interesse.
Schließlich begann sie, Gifte an sich selbst zu testen, um zu beweisen, dass das von ihr verwendete Gift nicht dasselbe war wie das, das den Herrn getötet hatte.
Sie wusste nicht, wie viele Jahre vergangen waren, bis sie endlich das Gift von damals identifizierte und bereit war, ihren Namen vor ihrem Meister zu reinigen. Doch ihr Meister und alle anderen der Hanging Blade waren spurlos verschwunden.
Am Ende war die Wahrheit über die Vergiftung vielleicht sogar völlig unwichtig. Sie blieb allein in der Wildnis zurück und wiederholte ihre Unschuld einer gleichgültigen Welt.