Westlich des Jadebachbergs liegt die Barmherzherz-Stadt, einst als Steinmetz-Stadt bekannt, wo die Menschen ih…
Westlich des Jadebachbergs liegt die Barmherzherz-Stadt, einst als Steinmetz-Stadt bekannt, wo die Menschen ihren Lebensunterhalt mit dem Abbau von Steinen verdienten.
Während der Kaiyuan-Ära der Tang-Dynastie errichtete der Kaiser den Fahua-Tempel am Stadtrand, in dem tausende buddhistische Schriften aufbewahrt wurden. Ein Meisterbildhauer namens Yang kam mit seinen Schülern aus der Ferne und ließ sich in der Stadt nieder. Jahre lang pendelten sie zwischen dem Steinbruch und dem Kloster, studierten die Sutren und schufen unzählige Steinfiguren. Arhats, Guanyin und Bodhisattvas entstanden unter ihren Meißeln, jede Statue mit kunstvollen Details und göttlichem Geist erfüllt. Ihre Arbeit wurde im ganzen Land gerühmt, und so wurde die Steinmetz-Stadt als Barmherzherz-Stadt bekannt.
Generationen lang lebten die Bewohner von der buddhistischen Bildhauerei. Doch in der letzten Dynastie, als der Buddhismus verboten wurde, verfiel das Handwerk. Heute sieht man in der Barmherzherz-Stadt nur noch umgestürzte Statuen, die im wilden Gras begraben sind, Moos kriecht über einst strahlende Gesichter heiliger Anmut. Die Meisterbildhauer sind längst verschwunden – zerstreut, vergessen. Die Steinbrüche sind von Unkraut überwuchert; in den Bildhauerhallen hallt Stille wider.
Nur noch wenige Dutzend Dorfbewohner sind geblieben. Tag und Nacht bewegen sie sich mit seltsamer Absicht durch die Stadt und pflanzen groteske Blumen in jeder Ecke. Sie nähren sie mit ihrem eigenen Fleisch. Ihre Präsenz, ihre Rituale – unnatürlich. Der Anblick allein lässt das Blut gefrieren.