Die Geburt von Xian'a war ein Wunder im verborgenen Dorf tief im Sandtal. Obwohl das Dorf selbst schon fast e…
Die Geburt von Xian'a war ein Wunder im verborgenen Dorf tief im Sandtal.
Obwohl das Dorf selbst schon fast eine Legende war, erschreckten sich alle vor einem Säugling im Körper einer alten Frau.
Der Dorfvorsteher seufzte. "Der Mond nimmt zu und ab, in endlosen Zyklen. Vielleicht ist sie uns nur einen Schritt voraus."
Gütige Dorfbewohner holten ihr einen Mondkuchen. Da sie noch keine Zähne hatte, mussten sie den Kuchen in heißem Wasser einweichen, bis er weich war, und ihr ihn stückchenweise füttern.
Je stärker die Welle, desto schneller ebbt der Schock. Bald gewöhnten sich alle an diese junge Alte.
Xian'a saß auf der Türschwelle, sah benommen zu, wie die Dorfbewohner kamen und gingen. Sie blieben stehen und grüßten sie freundlich.
Eines Tages kam ein Junge unbedacht zu ihr.
"Weißt du, wie man den Mond schöpft?" Das errötete Gesicht des Jungen erschreckte Xian'a. Verwirrt und schüchtern schüttelte sie den Kopf.
"Jeder in unserem Dorf kann das! Ich bringe es dir bei!" Der Junge sprang eifrig auf und zog Xian'a zur klaren Quelle.
Der flinke Junge übersah ihre wackeligen Schritte. Xian'a verlor das Gleichgewicht, doch der Junge hielt sie fest.
"Br...uder...", lallte sie, klammerte sich instinktiv an den Jungen und ging Schritt für Schritt auf das mondlichtüberströmte Wasser zu.
An diesem Tag lernte sie immer noch nicht, wie man den Mond schöpft. Obwohl das Mondfangnetz leicht und handlich war, fand sie nicht den richtigen Wurfwinkel.
Aber sie erinnerte sich an das Netz, das der Junge immer wieder warf, und an sein klares, klingendes Lied.