Das Traumspiel Eines Nachts verirrte sich ein Händler und geriet in einen wilden Persimonenhain. Von flackern…
Das Traumspiel
Eines Nachts verirrte sich ein Händler und geriet in einen wilden Persimonenhain. Von flackerndem Feuerlicht angezogen, stolperte er über ein Schattentheater, das tief im Wald eine Aufführung gab. Papierfiguren tanzten zu gespenstischen Liedern, beobachtet von einem Dutzend undeutlicher Zuschauer, einige lachten, andere weinten. Gebannt wurde der Händler müde und lehnte sich an einen Baum, wo er in einen leichten Schlaf fiel.
Bei Tagesanbruch waren die Stufe und die Menge verschwunden, nur verlassene, alte Gräber blieben zurück. Er rieb sich die Augen und hielt alles für einen Traum - bis er den Baum erblickte, an dem er gelehnt hatte: eine verdorrte Weide mit herabhängenden Ästen wie fließendes Haar. Darunter lag eine verblasste Marionette, deren Merkmale denen der nächtlichen Aufführung glichen. Entsetzt floh er.
Früher dachte ich, die Leute erzählen nur Märchen, wenn sie von der sich überlappenden Welt der Lebenden und Toten sprechen. Doch vielleicht versammelten sich diese ruhelosen Seelen ein letztes Mal, um verlorene Freuden und Sorgen nachzuspielen. Glücklicherweise bewahrte der Schlaf des Händlers ihn davor, ihren fragilen Frieden zu stören. Hätte er aufgeschrien - wer weiß, ob er lebend entkommen wäre?