Ich verneige mich hundertmal vor dir, Großmeister Halcyon. Durch den verbliebenen Segen meiner Vorfahren wurd…
Ich verneige mich hundertmal vor dir, Großmeister Halcyon.
Durch den verbliebenen Segen meiner Vorfahren wurde ich durch deine Hand gerettet. In den Jahren seither hat selbst der Kummer über den Verlust meines Gatten langsam zu schwinden begonnen. Diese Güte ist mir ins Gebein gemeißelt, und ich wage es nicht, sie auch nur für einen Augenblick zu vergessen. Nun ist der Mohistenhügel von allen Seiten von Unruhe bedrängt, und seit den Ereignissen am Vogelnist-Fels habe ich gehört, dass Gerüchte und Verleumdungen sich um dich gesammelt haben. Mein Herz war voller Sorge. Aus diesem Grund habe ich unten alles niedergeschrieben, was ich gesehen und erfahren habe.
In letzter Zeit sagen die Leute auf der Straße, dass die Unordnung innerhalb des Berges gänzlich durch die Unbesonnenheit jener verursacht wurde, die ihn zu versiegeln suchten. Es gibt auch Geflüster, dass der ehemalige Großmeister Rabe die Zeichen schon vor langer Zeit voraussah, doch schwieg und so am Ende Unheil brachte. Ich kenne sowohl dich als auch den ehemaligen Großmeister seit langem, und in Wahrheit finde ich solche Worte schwer zu glauben. Oberflächlich das eine zu sagen, während man in Wirklichkeit etwas anderes meint, und Gift nach und nach einsickern zu lassen, ist das Gefährlichste von allem. Aus diesem Grund ging ich still unter das gewöhnliche Volk und untersuchte die Angelegenheit im Geheimen, um zu prüfen, ob diese Gerüchte wahr seien. Doch zu meiner Überraschung schienen alle Spuren, die ich fand, stattdessen auf den ehemaligen Großmeister hinzuweisen.
Und doch war seine Position selbst voller Härten und wurde wiederholt in Gefahr gebracht. Viele innerhalb des Berges verübten deinen Wunsch, ihn zu öffnen, daher gab es wenige, die für ihn sprachen, und viele, die ihm übel wollten. Zu jener Zeit stand er auch im Verdacht, von der Fraktion, die den Berg versiegeln wollte, in Schach gehalten zu werden, während die plötzliche Störung durch die Qiongqi-Kunsthandwerker das Chaos nur noch vertiefte. So wage ich die Vermutung: Vielleicht wählte er es, seinen eigenen Namen zu beflecken, damit die Position des Großmeisters an dich übergehen könnte.
Ich habe sagen hören, dass derjenige, der andere liebt, stets wieder geliebt wird. Der ehemalige Großmeister war rein wie Jade und aufrecht in seiner Herrschaft, und er verband mit dir eine Bindung, die bis in die Kindheit zurückreichte. Nun wird viel geredet von einem vielversprechenden Anfang, der in Trümmern endet, doch vielleicht war dies nie das, was er in seinem Herzen wirklich wünschte.
Wenn dieser Brief dich erreicht, dann ist es noch nicht zu spät. Ich hoffe nur, du wirst die Angelegenheit bald beurteilen. Und wenn etwas in meinen Worten zu weit gegangen ist, bitte ich dich, es zu vergeben und es nicht auf dein Herz wirken zu lassen.
Mit den besten Wünschen für deinen Frieden und dein Wohlbefinden.