Hua Jieyu wurde mit einer besonderen Gabe geboren – sie wurde nur betrunken, wenn sie es wollte. Dank dieser B…
Hua Jieyu wurde mit einer besonderen Gabe geboren – sie wurde nur betrunken, wenn sie es wollte.
Dank dieser Begabung hatte sie unzählige edle Weine verkostet: Den Betrunkenen Unsterblichen aus Kaifeng, den Frühlingssegen aus Jiangnan, Bambusblatt aus Shu... alle süß und bezaubernd.
Nur einmal war sie je betrunken gewesen, im Jahr, als sie dem Samtschatten beitrat. Dieses eine Mal brachte ihr den Spitznamen "Begonienblüte" ein – doch es lehrte sie auch, dass die Älteren nicht gelogen hatten: Wein konnte auch bitter sein. Seither wurde sie nie wieder betrunken.
Bis sie nach vielen Jahren einem jungen Wanderer begegnete.
Er stand vor ihr, schweißgebadet, ein Gefäß Begonienwein in den Händen, mit Augen voll aufrichtiger Wärme. Als sie in diese Augen blickte, verstand sie plötzlich eine weitere Lektion ihrer Ältesten: In einer chaotischen Welt rühren Unschuld und Güte wahrhaftig das Herz.
Es fühlte sich an, als bräche ihr jahrelanger Widerstand gegen den Wein auf einmal zusammen. Schläfrigkeit überkam sie, so sehr, dass sie nicht bemerkte, wie ihr stets getragener Jadering in den Kelch fiel.
"Nur noch ein wenig länger... einen Augenblick betrunken sein, kurz wie der Frühling."
Mit diesem Gedanken legte sich Hua Jieyu neben ihn und schloss sanft die Augen.