Bevor sie hierherkam, glaubte sie einst, die Welt existiere nur in Schwarz und Weiß. Vielleicht lag es daran, …
Bevor sie hierherkam, glaubte sie einst, die Welt existiere nur in Schwarz und Weiß.
Vielleicht lag es daran, dass in der allerersten Dämmerung ihres Gedächtnisses der Mann und die Frau, die sie nie „Mutter“ und „Vater“ nennen durfte, sie hastig in eine Holzkiste gestopft hatten. Sie ließen sie mit der Strömung des Flusses treiben, bevor sie ihr beibringen konnten, andere Farbtöne zu erkennen.
Versteckt in pechschwarzer Dunkelheit spähte sie durch ein kleines Loch im Holz und beobachtete seltsame, meteorähnliche Lichtblitze, die draußen zuckten. Aus einer Laune heraus steckte sie ihren winzigen Finger in das Loch und zog ihn wieder heraus.
Licht, dann Dunkel. Licht, dann Dunkel... Für sie war es unendlich faszinierend.
Die streitenden Stimmen des Mannes und der Frau verklangen; die donnernden Geräusche verklangen.
Begleitet nur vom gelassenen Plätschern des Wassers wurden Licht und Schatten ihre ganze Welt.
Oh Welt, besitzt du wirklich nur diese beiden Farben?
Erst als sie den Mohistenhügel betrat, entdeckte sie, dass die Bäume ein üppiges, sattes Grün waren; der Wind ein staubiges Weiß; und die Quellen des Verborgenen Berges in der Blüte wilder Blumen erglühten. Auch die Menschen waren voller lebendiger Farben.
Sie erfuhr, dass die hellen Lichter in der Ferne tatsächlich die Feuer des Krieges waren, während die tiefste Dunkelheit als Zuflucht dienen konnte.
Glücklicherweise wusste das kleine Mädchen von damals noch nicht, dass sie zwanzig Jahre später diejenige sein würde, die die Farben unzähliger Menschenschicksale verändern sollte.