In Liangzhou gibt es eine Ruine namens Königreben-Dorf. Darunter verbergen sich Täler, die sich kreuz und quer…
In Liangzhou gibt es eine Ruine namens Königreben-Dorf. Darunter verbergen sich Täler, die sich kreuz und quer durch die Landschaft schlängeln. Jede Nacht hallt das Geräusch von brechendem Eis endlos wider. Die alten Reben im Dorf winden sich wie schwarze Drachen, ihre von Frost bedeckte Rinde ist fleckig. Der Legende nach wachsen auf diesen Reben die "Königsreben-Trauben", deren Früchte klar wie Eis sind und deren Saft zu einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit wie Honig gebraut wird. Früher tauschten ausländische Händler hundert Tael Gold für ein Gefäß, edle Schwertkämpfer gaben ihre Klingen für einen Schluck her, und das Geräusch leerer Geldbeutel erfüllte die Märkte.
Seit den Flammen des Anshi-Aufstands verwandelten sich fruchtbare Länder in Unkraut. Wenn man nun an den Ruinen vorbeikommt, sieht man nur noch Irrlichter, die zwischen bröckelnden Mauern flackern. Um Mitternacht erhebt sich der Wind, und die verdorrten Reben blühen plötzlich mit leuchtend blauen Trauben, groß wie Hühnereier, doch sie welken beim ersten Licht der Morgendämmerung.
Einmal sagte ein Fremder, dies sei aus der Besessenheit der Geister entstanden. Ohne sich ihres eigenen Todes bewusst zu sein, pflügen sie Nacht für Nacht den Boden und beschneiden die Zweige, um das frühere Schauspiel des Traubenfestes wiederherzustellen. Doch selbst wenn tausend Körbe Geisterfrüchte getragen werden, können sie die Barriere zwischen Yin und Yang nicht durchbrechen. Wenn der kalte Hahn kräht, spiegeln nur zerbrochene Becher zwischen den Reben den Mond wider, kalt und klar wie Tränen.