Wenqius Eltern hatten sich schon lange aus dem Rampenlicht zurückgezogen, doch hin und wieder schauten sie noc…
Wenqius Eltern hatten sich schon lange aus dem Rampenlicht zurückgezogen, doch hin und wieder schauten sie noch in der Konditorei vorbei, halfen mit und riefen Werbesprüche, um Kunden anzulocken.
Die Fünf-Farben-Kuchen verkauften sich im Herbst am besten. Der Rest des Jahres war auch nicht schlecht, aber ein paar zusätzliche Werbesprüche konnten nie schaden.
Im Winter schworen sie, die Kuchen "speicherten Wärme und nährten den Körper" – perfekt gegen die Kälte.
Im Frühling änderten sie die Geschichte: Nun hieß es, die Kuchen würden die Lebensenergie wiederherstellen, den Körper stärken und Krankheiten für das kommende Jahr fernhalten.
Im Sommer hatten sie eine neue Behauptung parat: Fünf-Farben-Kuchen könnten angeblich das Blut kühlen und überschüssige Hitze vertreiben.
Wenqiu hielt es schließlich nicht mehr aus. Sie zog ihre Eltern beiseite und bat sie, diese halbgaren medizinischen Broschüren nicht mehr zu lesen.
Das machte alles nur noch schlimmer. Ihre Eltern drehten den Spieß um und erklärten, ihr eigenes Temperament sei zu hitzig und sie solle selbst mehr Fünf-Farben-Kuchen essen.
Am Ende gab sie auf und ließ sie gewähren.
Als Kind hatte sie sich oft gefragt: Das Chongyang-Fest kam nur einmal im Jahr, warum aber waren ihre Eltern das ganze Jahr über beschäftigt, ohne Pause?
"Weil immer jemand Lust darauf hat", antworteten sie.
Doch das ergab für sie keinen Sinn. Wer außerhalb des Chongyang-Fests würde schon Fünf-Farben-Kuchen wollen?
Nach dem Laternenfest verlor sie jedes Interesse an Laternen. Nach dem fünften Tag des fünften Monats wurden die Fünf-Farben-Fäden weggeworfen und vergessen.
Wer, fragte sie sich, würde jeden einzelnen Tag das Chongyang-Fest feiern wollen?
Erst als sie den Laden übernahm, begann sie zu verstehen. Die Leute, die einst in Gruppen zum Chongyang-Fest kamen, erschienen nun allein an gewöhnlichen Tagen.
Es war nicht immer Festtag – aber jeden Tag erinnerte sich jemand an die Freunde, mit denen er früher gefeiert hatte.
Auch getrennt sind sie in Gedanken noch zusammen.