"Ruby, fang den Drachen ein!" Als die Schnur riss, gerieten alle Kinder am Himmels-Pier in Panik, als sie zusa…
"Ruby, fang den Drachen ein!"
Als die Schnur riss, gerieten alle Kinder am Himmels-Pier in Panik, als sie zusahen, wie der Drachen immer weiter weg trieb und schließlich in einem fernen Baum am Berghang landete.
Ruby hatte die Schnur zerbrochen. Sie biss sich auf die Lippe und rannte los.
"Wartet hier! Ich hol ihn zurück."
Sie stürmte dem Drachen hinterher, während die Dämmerung tiefer wurde. Als sie den Baum erklommen und ihn endlich erreicht hatte, war die Sonne bereits vollständig untergegangen.
Als sie zu der Stelle hinabblickte, wo die Kinder gestanden hatten, sah sie niemanden – alle waren von ihren Müttern zum Abendessen nach Hause gebracht worden.
Ihr Vater... er würde wohl noch in der Weinkellerei arbeiten, der Tag noch nicht vorbei.
Ruby hielt den Drachen fest umklammert, aus Angst, der Wind könnte ihn wieder davontragen. Aber der Baum war so hoch – das Hinaufklettern war einfach gewesen, doch jetzt, mit dem Drachen in der Hand, traute sie sich nicht hinab.
Die Nacht wurde dichter, die Luft kühl vom Tau, und Ruby saß allein auf ihrem hohen Sitz und beobachtete, wie unten eine Lampe nach der anderen in den Häusern aufleuchtete.
Sie riss ihre Augen absichtlich weit auf und ließ den Wind sie vollständig trocknen. Sie würde eines Tages eine Heldin sein – das hier war doch nichts!
Selbst wenn niemand wusste, dass sie hier war, selbst wenn niemand nach ihr suchte, selbst wenn sie... die Nacht allein in diesem Baum verbringen musste, würde sie keine Angst haben.
Sie, Zhou Ruby, fürchtete weder die Dunkelheit noch die Einsamkeit!
Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte Ruby die abendlichen Lichter des Himmels-Piers dreimal gezählt: zweihundertachtundsechzig insgesamt.
Kalt und hungrig kauerte sie sich zu einem kleinen Ball zusammen, dem beißenden Wind trotzend, und dachte schläfrig, dass sie diese Nacht tatsächlich in diesem Baum verbringen würde...
In ihrem Dämmerzustand entdeckte sie in der Ferne eine kleine Laterne, scheinbar das einzige Licht in diesen Hügeln, das immer näher auf sie zuschwebte.
"Ruby! Ruby!"
Die Laterne näherte sich und sprach irgendwie.
"Ruby!"
...Hm?
Die Laterne erhellte das freundlichste, sanftmütigste Gesicht der Welt, das besorgt und fürsorglich zu ihr aufblickte.
...War das ein Traum? Ruby ließ los, und der Drachen schwebte hinab, sicher aufgefangen von der Person unten.
"Du bist es!"
Endlich rief sie, ihre Stimme brach vor Tränen.