Auf dem westlichen Hang des gemeinsamen Friedhofs waren zehn frische Gräber aufgetaucht, jedes Hügelchen mit S…
Auf dem westlichen Hang des gemeinsamen Friedhofs waren zehn frische Gräber aufgetaucht, jedes Hügelchen mit Streifen blutroter Seide umwickelt. Vorbeikommende Reisende bewunderten den Anblick und nahmen an, eine wohlhabende Familie habe eine Geisterhochzeit mit prächtiger Zeremonie arrangiert. Nur die Dorfältesten wandten ihre Blicke ab und schwiegen.
Eines Nachts beobachtete Zhao Wu, ein Händler, der den Friedhof als Abkürzung nutzte, entsetzt, wie sich plötzlich alle roten Seidenbänder straff spannten und an den Hügeln zerrten, bis die Erde bröckelte und nachgab. Dunkle, fleckige Hände krallten sich aus dem Boden, jedes Handgelenk mit einem Stück karmesinroter Seide umwickelt, die blind nach dem Mond griffen.
"Welch ein Frevel..." Ein alter Dorfbewohner packte den zitternden Zhao Wu und zog ihn fort. Er erzählte, die letztjährige Dürre habe den Dorfvorsteher dazu getrieben, zu verkünden, der Berggott wolle eine Braut. Er hatte mehrere junge Frauen von außerhalb des Dorfes verschleppt, sie in rote Seide gebunden und sie der "Umarmung" des Berggottes übergeben. Der alte Mann riet Zhao Wu, zu gehen und nicht zurückzublicken.
In derselben Nacht brach im ganzen Dorf Feuer aus. Die Flammen schlängelten sich wie Seidenbänder um die Fensterrahmen. Als die Dorfbewohner verzweifelt gegen das Feuer kämpften, sahen sie dunkle, verkohlte Gestalten in den Flammen zucken, die rote Seide an ihren Handgelenken noch immer leuchtend und unversehrt.
Bei Tagesanbruch trug jeder Dorfbewohner, der an der "Brautgabe" beteiligt war, einen roten Ring um den Hals, der wie aus dem Nichts erschienen war. Innerhalb von drei Tagen waren zwanzig neue Hügel auf dem westlichen Hang aufgeschüttet worden, jeder fest mit blutroter Seide umwickelt, die wie eine offene Wunde glänzte.