In all seinen Wanderjahren schrieb Wang Daquan oft nach Hause. Großmutters Beine waren schwach, ihre Sehkraft …
In all seinen Wanderjahren schrieb Wang Daquan oft nach Hause. Großmutters Beine waren schwach, ihre Sehkraft schlecht – sie war auf Nachbarn angewiesen, um seine Briefe vorzulesen.
Gelegentlich erreichte Wang Daquan eine Antwort. Beim Öffnen fand er nur Großmutters wirre Worte – iss mehr, zieh dich warm an.
Großmutter sagte, sie wisse, dass Daquan ein guter Junge sei, fähig, fleißig und würde auf sich selbst aufpassen.
Mit jedem Brief kam ein kleines Päckchen mit Großmutters Brötchen. Wang Daquan hatte wiederholt geschrieben, die Reise sei lang und die Brötchen kämen hart und ungenießbar an. Dennoch dampfte Großmutter jedes Mal frische, um sie ihrem fernsten Kind zu schicken.
Wang Daquan blieb nichts übrig, als die steinharten Brötchen wegzuwerfen. Schließlich war das Land südlich des Flusses reich – welche Köstlichkeiten konnte er dort nicht finden?
Bis eines Tages ein dringender Brief eintraf.
Wang Daquan wusste nie, dass Großmutter kurz nach seinem Weggang gestürzt und monatelang ans Bett gefesselt war.
Ohne die Pflege einer Tante hätte sie vielleicht verhungert.
Es war eine gewöhnliche Nacht. Großmutter konnte nicht schlafen, ihr Rücken brannte vor Schmerz. Hin und her geworfen dachte sie an ihr Kind.
Schließlich beschloss sie, vor Tagesanbruch eine Ladung Brötchen zu dämpfen. Auf Möbel gestützt, schlurfte sie aus ihrem Zimmer. Im schwachen Licht war die Türschwelle unsichtbar.
Was zusammen mit Töpfen und Schüsseln zerbrach, war Großmutters gebrechlicher Körper und ihre letzten sorgenvollen Gedanken.
Wang Daquan war voller Reue. Warum hatte er diese Brötchen weggeworfen?
Er hätte verständnisvoller sein, mehr Briefe schreiben, mehr Frisches nach Hause schicken sollen. Doch das hatte er nicht getan. Er war einfach weitergezogen und hatte Großmutters Brötchen weggeworfen.
Nun, Jahr für Jahr, wächst und schwindet der Mond. Die Großmutter, die für ihn Brötchen dampfte, ist längst zu Mondlicht geworden und wartet darauf, dass ihr Kind sie einsammelt.
Er weiß jetzt, dass jedes Mondbrötchen, das er isst, sowohl Großmutters Fürsorge als auch seine eigene Schuld ihr gegenüber ist.