Die unterirdischen Abwasserkanäle waren dunkel, feucht und stanken nach Schmutz, ein Ort, der gewöhnlichen Her…
Die unterirdischen Abwasserkanäle waren dunkel, feucht und stanken nach Schmutz, ein Ort, der gewöhnlichen Herzen Angst einflößte, wohin sich kein vernünftiger Mensch wagen würde.
Doch für Liu Zhuang war dies Zuhause.
Der gebückte alte Mann schlurfte durch die Tunnel, sammelte das, was andere als wertlos weggeworfen hatten, und häufte es in einer ausgehöhlten Nische an, um sich eine Behausung zu schaffen.
Dort hockte er, gefangen in einem zeitlosen Nichts, ohne Vergangenheit, ohne Zukunft, nur der gegenwärtige Gestank des Verfalls.
Doch wenn er seine bronzenen Glocken schlug, flackerten Fragmente eines helleren Lebens wieder auf.
Ruhm, Stolz, Liebe... alles nun verloren unter den mahlenden Rädern der Geschichte. Sein Status, seine Geliebte, seine Familie, sein Glaube, alles wurde ihm entrissen.
Bis nichts mehr übrig blieb als dieses flackernde Leben, das am Rande des Aussterbens klammerte.
Und doch war es genau dieses sterbende Leben, dieser gebückte, hinkende Wrack von einem Mann, der den Weg für jene verlorenen Seelen wies, die durch die Kanäle flohen.
Sie entkamen den Fängen der Ungebundene Höhle, folgten dem Klang der Glocken. Quetschten sich durch enge Passagen. Überquerten die Grenze zwischen Tod und Leben. Rannten in Richtung des Lichts.
Und der Glockenschläger stand Wache am Ausgang des Kanals, schlug seine Glocken Die ganze Nacht gespielt. Mit jedem Läuten baute er eine Brücke zwischen den Lebenden und den Toten, dann beobachtete er, wie sie in der Ferne verschwanden.
Geht und findet euer Zuhause.
Dachte Liu Zhuang.
Meine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind Staub. Aber eure nicht.
Solange es noch Hoffnung gibt... solange es noch Zeit gibt... verlasst diesen Ort. Baut ein Zuhause voller Wärme und Licht.
Das ist das letzte, beste Geschenk, das ich euch geben kann.