Text
Text

Feng Yi hätte nie gedacht, dass er eines Tages die Flussgottheit werden würde. Nicht als Junge, als er getrock…

Feng Yi hätte nie gedacht, dass er eines Tages die Flussgottheit werden würde. Nicht als Junge, als er getrockneten Fisch feilbot. Nicht als er die Khitan einfallen sah. Nicht einmal als die Fluten so hoch stiegen, dass sie den Himmel zu ertränken schienen. Nicht jeder ist dazu bestimmt, der Held eines Märchenbuchs zu sein. Er ist nicht der Typ, der die Welt rettet, und schon gar kein erträumter Gott. Denn es lohnt sich nicht. Menschen werden nicht geboren, um für andere zu leben. In dieser weiten, gleichgültigen Welt wandern wir am Ende alle allein. Wir leben immer für uns selbst. Deshalb versteht Feng Yi sie nie. Versteht nie diejenige auf der Welt, die am geschicktesten darin ist, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Versteht nie, warum sie, als die Familie Zhang ihr ein Kind anvertraute, die Maske der Flussgottheit wählte. Sie ist nur ein sterblicher Mensch. Warum also so tun, als wäre sie unsterblich? Warum sich in Mythen hüllen, sich mit Schlamm bedecken und zu einer Tonfigur werden, die andere verehren? "A Yu... hat es sich gelohnt?", fragte Feng Yi schließlich. Sie lächelte nur, die Augen auf die schimmernden Strömungen des Gelben Flusses gerichtet. "Vielleicht", sagte sie, "wird eines Tages das, was sich nicht lohnt... es doch sein." Und vielleicht kommt dieser Tag tatsächlich in Form von eisigem Regen aus einem farblosen Himmel, von Fluten, die höher steigen als Mauern halten können, von Stadttoren, die sich nicht öffnen, und von ihr, leblos in Feng Yis Armen zusammenbrechend. "Ah Yu", flüsterte er, "es hat sich nicht gelohnt. Diese Welt... sie ist es nicht wert."

Kommentare

Feng Yi hätte nie gedacht, dass er eines Tages die Flussgottheit werden würde. Nicht als J… | Where Winds Meet Datenbank