Die Sonne scheint hell, und Birnenblüten treiben erneut herab. Das Nachmittagslicht filtert durch die Bambusbl…
Die Sonne scheint hell, und Birnenblüten treiben erneut herab. Das Nachmittagslicht filtert durch die Bambusblätter und zerstreut sich wie Goldflocken. Eine warme Brise, sanft wie eine Katzenpfote, streift zärtlich deine Wange. Seit du mit sechzehn das Heim verlassen hast, bist du selten zurückgekehrt. Spinnweben unter den Dachvorsprüngen haben sich zu kunstvollen Gemälden verwoben, während der Meister des Hauses bis ans Ende der Welt gewandert ist. Auf der langen Bank sitzend, auf der er einst saß, erinnerst du dich an dein kindisches Geplapper von damals und schlummerst langsam ein.
Im Halbschlaf öffnest du die Augen, nur um Onkel Jiang zu sehen, der ein Pferd zu dir führt. In deinem Gedächtnis ist Onkel Jiangs Rücken für immer gerade, seine breiten Schultern wie ein fester Berg, der dich vor Wind und Regen schützt. Doch jetzt bemerkst du, dass sein Saum leicht verschmutzt ist und eine kaum wahrnehmbare Müdigkeit auf seinem Gesicht verweilt.
Tausend Worte drängen sich auf deine Lippen, doch bevor du überhaupt sprechen kannst, hebt er eine Hand, um dich zu stoppen. Als ob er deine Gedanken erraten hätte, nickt er leicht und fragt:
"Trotzdem, möchtest du immer noch im Jianghu umherwandern?"
Seinem Blick begegnend, platzt du heraus...
Lass es mich noch einmal überdenken. Du weißt nicht, wohin du gehen sollst, was du tun sollst oder ob du bleiben oder gehen sollst. Du lässt alle anderen Gedanken los. Alles, was du willst, ist ein wenig länger an seiner Seite zu verweilen. Einfach da zu sein, ist genug.
Onkel Jiang nickt bei deiner Antwort. Sein Blick bleibt fest, als ob deine Antwort genau das ist, was er erwartet hat. Vor ihm kannst du immer deine Gedanken frei äußern. Denn du weißt, dass er, egal welche Wahl du triffst, immer hinter dir stehen wird. Einst warst du ein schlafendes Kind in seinen Armen, seine Verbindung zu dieser Welt. Wirst du in Zukunft sein Stolz oder seine anhaltende Sorge sein?
Du stehst auf und läufst auf Onkel Jiang zu, neugierig darauf, wo er gewesen ist und ob es ihm gut geht. Plötzlich zuckt dein Bein und stößt gegen die Tischkante. Der Schmerz reißt deine Augen auf.
Die Sonne scheint immer noch hell, und die Birnenblüten treiben weiter herab. Das Tageslicht zerstreut sich wie Goldflocken. Der Wind bringt keine Neuigkeiten von alten Freunden, doch Spuren von ihm und von ihnen allen sind überall zu finden.