Das nächste, was He Ran je General Wang Qing kam, war der Tag, an dem sie sich trafen. Eine Gruppe bettelnder …
Das nächste, was He Ran je General Wang Qing kam, war der Tag, an dem sie sich trafen. Eine Gruppe bettelnder Kinder stolperte in den Weg eines Generalszuges, mit großen, glänzenden Pferden.
Damals waren sie alle mehr oder weniger gleich. Einer mochte einen halben Kopf größer sein, ein anderer hatte ein paar Bissen Dampfbrötchen mehr. Jiang Yan war nur einer von ihnen, ein hitzköpfiger Junge, vielleicht ein bisschen kleiner als die anderen.
Doch als Jiang Yan vortrat, sein Holzschwert fest umklammernd, dreist und stolz, schien er derjenige zu sein, der am wenigsten in dieser Welt überleben würde. Doch der General, hoch zu Ross, bevorzugte ihn.
Jahre später würde He Ran Jiang Yans Worte immer und immer wieder durchkauen. In Träumen kehrte er zu jenem Tag zurück. Doch diesmal war er derjenige, der vortrat, diese Worte sagte, vor der Menge stand. Auf diese Weise wäre er der Junge geworden, den der General auswählte, statt Jiang Yan, nicht wahr?
Er hätte an der Seite des Generals gestanden. Und anders als Jiang Yan hätte er keine Katzen im Hof gejagt und wäre schmutzig zurückgekommen. Er wäre der Gehorsame gewesen. Er hätte nicht getrunken. Hätte keinen Ärger gemacht. Hätte den General nicht mit ständigen Beschwerden zurückgelassen, hilflos, ihn zu verteidigen. Er hätte es viel besser gemacht als Jiang Yan. Das wusste er.
Im Traum blickte er auf, und der General lächelte ihn an, rief seinen Namen. Er lächelte zurück, instinktiv, im Begriff zu antworten...
Regen fiel von den Dachrinnen, und der Traum zerbrach. Er erwachte, an die Wand eines verfallenen Tempels gelehnt. Die Pfütze auf dem Boden spiegelte ein blutverschmiertes Gesicht.
Eine lange Klinge in seiner Hand, eine, die heute einen Kopf abschlug. Ein Jutesack zu seinen Füßen, mit jenem Kopf darin. Er starrte leer auf das trocknende Blut an der Klinge. Ja... es war einer der Männer, die den General getötet hatten. Jetzt erinnerte er sich.
Vor drei Tagen war sein General gestorben.
Er stützte sich auf sein Schwert und trat hinaus. Der Regen fiel immer noch.
Im Inneren des verfallenen Tempels tropfte der Regen lautlos vom Dach. Jeder rot gestreifte Tropfen, der auf den Boden spritzte, war wie eine Träne der Erde.
Er wusste, dass Träume das Schicksal nicht ändern konnten.
Er verstand nur nicht, warum selbst der Himmel, voller Regen, ihm nicht erlaubte, einen einzigen Traum unversehrt zu bewahren.