Text
Text

Hängt für mich das weiße Tuch außerhalb der Stadt auf. Einst standen in Luancheng dreihundert Färbekübel. Jetz…

Hängt für mich das weiße Tuch außerhalb der Stadt auf. Einst standen in Luancheng dreihundert Färbekübel. Jetzt sind sie alle voll von Blut und Feuer. Die geheimen Rezepturen sind mit den Handwerkern gen Süden gegangen, doch die letzte Rolle weißen Tuches ist endlich hier angekommen, zu einer Flagge der Kapitulation geworden, vielleicht bald dazu bestimmt, mein eigenes Leichentuch zu sein. Ich schäme mich. Gestern traf der Versetzungserlass des Hofes ein, jede Zeile mit Zinnoberrot gestempelt, um mir zu meiner Beförderung zu gratulieren. Am Ende sind also die Gebeine einer ganzen Stadt nicht mehr wert als eine einzige Phrase im Mund eines anderen: Verluste in der Schlacht. Wenn die weiße Flagge gehisst wird, bitte ich dich nur, dem Wind zu lauschen. Wenn du das Klappern der Webstühle hörst, ist es vielleicht meine Frau, die am Brücke des Vergessens einen neuen Färbeladen eröffnet. Sie sagte immer, in ihrem nächsten Leben würde sie die Farbe der ersten Morgendämmerung färben. Meine Geschichte begann damit, Frühlingskleider in Luancheng herzustellen, und nun endet sie damit, Luancheng in Trauerweiß zu kleiden. Auch das ist eine Art Ende.

Kommentare

Hängt für mich das weiße Tuch außerhalb der Stadt auf. Einst standen in Luancheng dreihund… | Where Winds Meet Datenbank