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Als Ma Pingshan aufbrach, war der Tau auf dem Gras noch nicht getrocknet. Am Wegrand stand ein eingestürztes S…

Als Ma Pingshan aufbrach, war der Tau auf dem Gras noch nicht getrocknet. Am Wegrand stand ein eingestürztes Strohdach. Er warf einen Blick darauf, ohne seinen Schritt zu verlangsamen. Drei Schritte später kehrte er dennoch um und zog eine Eisenkeule und ein Hanfseil aus seinem Bündel. Vielleicht erinnerte er sich daran, wie sein Vater das Fenster der Ostkammer reparierte. Obwohl das Weinen der Kinder nie verstummte, schien in seiner Erinnerung die Sonne schräg, und der Rücken seines Vaters war breit und warm. Als der Pfosten wieder stand, verbeugte sich ein alter Mann vor ihm. Als er hörte, dass Ma Pingshan zur Akademie des Versiegelten Drachen unterwegs war, schwärmte er von der Edelmut ihrer Schüler. "Wahrhaft edel!" Er umklammerte sein Bündel und wandte sich schweigend ab. Er war kein Schüler der Akademie. Diese Werkzeuge hatte er für eines mitgebracht: um Kranich zu töten! Zuerst das Seil, um ihn bewusstlos zu würgen; dann die Keule, um ihn totzuschlagen. Verglichen mit dem Mord an seinem Vater war dies Barmherzigkeit. Da beide Werkzeuge nun zurückblieben, würde er stattdessen seine Fäuste benutzen. Noch besser! Auf halbem Weg brannte die Mittagssonne über ihm. Schweiß rann von seinen Schläfen in seinen Mund. Salzig, wie die Tränen jener Kinder. "Bleib zurück", sagte sein Vater immer. "Du bist nicht wie sie. Sie haben keine Familie. Sobald ich ihre Eltern finde, werden sie nicht mehr weinen." Sein Vater war ein Meister darin, Menschen zu finden, und brauchte nie lange, um sie zu vereinen. Für jedes Kind, das er wegschickte, wurde er mit einer Süßigkeit belohnt. "Wiedersehen", pflegte sein Vater zu sagen, "schmeckt genau so." Trotz des ständigen Weinens im Hintergrund war seine Kindheit wahrlich süß gewesen. Wie konnte Kranich es wagen, einen solchen Mann einen Schurken zu nennen? Es war Kranich, der ihn zu einem dieser Kinder gemacht hatte. Kranich hatte ihm Vater und Kindheit geraubt und nur ein paar karge Dinge hinterlassen: einige mohistische Schriftrollen, ein Set der Inneren Wege der Kampfkunst, ein Paar Pflegeeltern, endlose Nächte des Erwachens in kaltem Schweiß... und ein Herz, das von Rache verzehrt wurde. Warum war die Brücke vor ihm zerbrochen? Staub rieselte aus dem gesplitterten Zapfenloch und zischte in der Luft. Er öffnete sein Bündel und zog das Handbuch der Mechanismen hervor, das jener Mann hinterlassen hatte. Seite drei: die Kunst des Brückenflickens. Die Brücke war bald repariert. Er testete sie mit einem Schritt. Stabil. Aber er ließ das Handbuch liegen. Er wollte niemandem Grund geben zu sagen, er schulde einem Schurken Dankbarkeit. Nebel stieg aus dem Gebirgsbach auf. Die Nacht war tief hereingebrochen. Ma Pingshans Atem wurde schwer, und nicht vor Erschöpfung. Ein Felsbrocken hatte einen Holzfäller eingeklemmt; der Mann war bewusstlos. Ohne sofortige Hilfe war er ein toter Mann. Ein verfluchter Tag. Er hockte sich hin und entrollte sein Bündel. Der Rest seiner Habseligkeiten: ein Set versteckter Ärmelpfeile. Hebel für Steine, Schienen für Knochen. Fertigkeiten, die er gelernt hatte. Er zerlegte das Pfeilgehäuse und teilte es in zwei Teile, um es als Schienen zu verwenden. Als er die Schienen befestigte, fielen ihm die Schwielen auf den Handflächen des Holzfällers ins Auge und weckten eine lange ignorierte Erinnerung. Sein Vater hatte solche Schwielen gehabt, doch er war ein Lehrer gewesen. Deshalb war ihr Heim immer voller armer Kinder gewesen. Aber warum sollte ein Lehrer Schwielen vom Halten einer Klinge haben? Nein... das kann nicht sein... Diese Kinder waren nur gekommen und gegangen, weil sie obdachlos waren... Sein Vater war kein Entführer, kein Menschenhändler! Das Geflüster alter Nachbarn dröhnte in seinem Geist und übertöte fast das heulende Gebirgswind. Aber ob diese Kinder jemals wirklich aufhörten zu weinen, nachdem sie gegangen waren... das wusste er wahrlich nicht. Als der Holzfäller zu sich kam, stand Ma Pingshan auf. In diesem Moment hatte er nichts mehr, was ihm gehörte. Der Nebel lichtete sich. Die Akademie des Versiegelten Drachen lag direkt vor ihm. Diesen Pfad der Rache hatte er in diesen zehn Jahren tausendmal in seinem Herzen beschritten. Ma Pingshan warf einen letzten Blick auf den Weg hinter sich. Gewunden und in Nebel gehüllt glich der Bergpfad einer Narbe, die zu heilen versuchte, nur um erneut aufzureißen. Eine Zeile aus einem Buch tauchte in seinem Geist auf: "Das Schwarz und Weiß dieser Welt wird nicht mit den Augen, sondern mit dem Herzen erkannt." Er wandte sich ab und schritt nur vorwärts.

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