Eines Herbstabends in der Hauptstadt hörte ich einen Mann in seiner Zelle weinen. Seine Klagen sprachen von ei…
Eines Herbstabends in der Hauptstadt hörte ich einen Mann in seiner Zelle weinen. Seine Klagen sprachen von einer Heimat fernab von Chang'an. Er erzählte mir seine Geschichte. Er stammte aus Longyou und war ein Offizier an der Himmlische Quelle Station. Als die nördlichen Stämme einfielen und die Straßen abschnitten, floh er allein in Richtung Hauptstadt.
Doch er wurde gefangen genommen. Jahrzehntelang lebte er als Schatten seiner selbst – gezwungen, fremde Kleidung zu tragen und eine fremde Sprache zu sprechen, alle Zeichen seiner Identität verloren. Er führte ein Leben voller bitterer Entbehrungen, wie sie es taten. Bei der ersten Gelegenheit floh er, überlebte mit nichts, überquerte den gefrorenen Gelben Fluss, bis er schließlich die Grenze der Tang erreichte. Doch dort ergriffen ihn unsere eigenen Soldaten und brandmarkten ihn als Spion. Seine verzweifelten Bitten verhallten ungehört. Sein Urteil: Verbannung in den feuchten Süden.
Eine Stille breitete sich aus, als er sprach. Mein Herz blutete für ihn, und ich ließ Wein bringen, um die Kälte aus seinen Knochen zu vertreiben. Ich kenne die Grenze. Ich kenne die Generäle, die ihre Waffen rosten lassen, während sie Siege auf dem Papier erfinden. Seine Geschichte brachte diese stille Wut zum Überkochen. Als Antwort schrieben ein Freund und ich jeweils ein Gedicht: "Der Mann in fremden Ketten."