An die ehrenwerten Bürger von Liangzhou, Ich stehe demütig vor eurem Geschenk des Flickengewandes – meine Dan…
An die ehrenwerten Bürger von Liangzhou,
Ich stehe demütig vor eurem Geschenk des Flickengewandes – meine Dankbarkeit wird nur von meiner Scham übertroffen, denn ich bin dessen unwürdig.
Erkennt dies: Das Gewand, das ihr genäht habt, ist keine Robe für einen Mönch. Es ist der Stoff unseres Volkswillens, zusammengenäht, um den Himmel zu flicken. Das Bildnis, dem ihr euch neigt, ist kein ferner Heiliger. Es ist der Geist von Hexi selbst, geschmiedet im Leid, kämpfend für das Leben.
Ihr nennt dies ein Gewand aus hundert Flicken, doch ich sehe hundertacht Chroniken des Leids.
Es ist das Leid des Schreibers, der, ohne Tinte, sein eigenes Fleisch biss, um die Seite mit Blut zu weihen.
Es ist das Leid des Schmieds, der im Dunkeln sein eigenes Leben verschmolz, um die Tempelglocke zu gießen.
Es ist das Leid unserer Söhne, deren Gebeine wie Frost auf den Ebenen liegen, ihr Wesen bleicht die Banner der Toten.
Es ist das Leid der Guiyi-Armee, deren purpurne Quasten auf zerbrochene Speere weinen, ein Zeugnis ihres letzten Opfers.
Wahre Erleuchtung findet man nicht in einem unzerstörbaren Körper. Sie zeigt sich im Antlitz eines Volkes, das alles gegeben hat. Zehn Jahre Blutvergießen, tausend Meilen Gräber. Liangzhous langer Weg zurück zur Tang ist eine heilige Schrift, ungeschrieben, doch mit dem Lebensblut unseres Volkes niedergeschrieben.
Ich begann als einfacher Grenzwächter. Wie kann ich mich in solch Heiligkeit hüllen? Ich bitte nur um dies: dass ihr dieses Werk fortsetzt. Fahrt fort, eure Farben, eure Leben, euer Leid und eure Triumphe zusammenzuweben, bis ihr die Landkarte unserer Heimat neu geschaffen habt.