In meinem Leben habe ich alles gegessen, was ich wollte, alles gespielt, was ich wollte, und alles gesehen, wa…
In meinem Leben habe ich alles gegessen, was ich wollte, alles gespielt, was ich wollte, und alles gesehen, was ich wollte. Doch wenn ich an jene ferne regnerische Nacht denke, an jene seltsame Frau, die in den Fluss fiel... habe ich das Gefühl, noch nicht genug gesehen zu haben.
In jener Nacht meißelte ich Jade aus dem Berg. Plötzlich brach ein heftiger Sturm los. Als ich gerade eine Höhle zum Schutz suchen wollte, schlug ein Blitz ein, mein Seil riss und ich drohte, in die Tiefe des Abgrunds zu stürzen.
Ich klammerte mich fest an den Fels. In diesem Moment traf ein zweiter Blitz. Während ich nach einem Ausweg suchte, sah ich sie – jene seltsame Frau – vom Blitz erfasst, die in das dunkle, brodelnde Wasser stolperte.
Sie war groß und schlank, nicht zierlich. Doch so zusammengerollt wirkte sie aus der Ferne wie ein verlassenes Baby, das ins Wasser geworfen wurde.
Ich weiß nicht mehr, ob ich ihr Schluchzen hörte, nur dass sie eine Weile schweigend den Kopf senkte, dann plötzlich ihr Gesicht hob und dem dunklen Nachthimmel wütend zurief: "Meister Qu Yuan! Als du dich in den Fluss stürztest, ohne deinem Land dienen zu können, hast du da auch so einen Schrei völliger Verzweiflung ausgestoßen?"
Nur Wind und Regen antworteten ihr.
Sie schien die Luft ausgegangen zu sein, sank langsam und ließ die Wasseroberfläche sie bedecken. Vollständig bedecken.
Doch gerade als ich dachte, sie würde unter der Oberfläche verschwinden, heulte plötzlich der Wind auf, Schatten flackerten, als würden unzählige Seelen den Urkosmos durchqueren und lange Schreie ausstoßen.
"Rouge bricht in kaltes Rüstungslicht, Jade-Tor-Schnee härtet scharlachrote Schwertbrauen!" Der Wind klang wie menschliche Stimmen, als dränge er sie aufzustehen.
"Sagt nicht, rosige Wangen seien keine eiserne Rüstung, wann haben Heldinnen jemals Männern nachgegeben?" Ihre Stimme kam unter Wasser, als antworte sie.
Ein Blitz zerriss den Himmel. Im Nu wurde es taghell, eine Person stand abrupt aus dem Wasser auf, zog einen langen Drachenschwanz hinter sich her, mitten im heulenden Wind und den langen Schreien.
Ich erkannte sie! Sie war diese Tang-Prinzessin!
Ich verstehe! Ich verstehe vollkommen! Diese Schreie, die sie aus dem schwarzen Wasser riefen, müssen von Wang Zhaojun stammen, die in einer Schneenacht die Grenze überschritt, von Liu Jieyou, die tausend Meilen galoppierte, von Prinzessin Wencheng, die an Yumens Schnee klopfte... von unzähligen unglücklichen Edelfräulein, die in ferne Länder verheiratet wurden.
Der Wind heulte, das Himmelstor öffnete sich weit, sintflutartiger Regen prasselte nieder. Von Historikertinte verschluckte Klänge wurden nun zu Klingenliedern, die den Himmel durchbohrten.
Unzählige Prinzessinnen hoben sie aus dem Wasser; und sie führte unzählige Prinzessinnen an, die sich bemühten, das Tor zum Himmel zu erklimmen.
Mit den innigen Hoffnungen vieler sprang sie und vollendete so ihre Verwandlung in einen Drachen.
Und als sie sich dem Gewitter zuwandte, wurden sie zu den harten Schuppen auf ihrem Rücken.
Oder war es wirklich sie, die aus dem Wasser stieg, oder sie?
Gemeinsam gingen sie nach oben, zum Ende des Weges, zurück zu ihrem Ursprung, hinauf in den Himmel. Im sintflutartigen Regen stellten sie sich dem überwältigenden Donner.
Sie gingen.
In solchem Donner und Regen konnte ich nicht mehr unterscheiden, was ich gesehen oder gehört hatte.
Was ich fühlte – war es nur Mitgefühl, Mitleid oder Bewunderung für die Prinzessinnen?
Nein, ich spürte das Blut in meinen Adern fließen, die Kraft in meiner Brust wallen. Plötzlich hatte ich wieder ungeheure Kraft, packte die hervorstehenden Felsen fest. Ich würde diese hohe Klippe erklimmen. Ich würde überleben.
Ich würde studieren, ich würde Gedichte schreiben, ich würde aufschreiben, was ich sah, damit ihr, die ihr dieses Buch jetzt lest, es sehen könnt.
Ich weiß nicht, wann ich sterben werde, aber am Ende starb ich nicht unter jenem zerbrochenen Abgrund. Sie auch nicht.