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Für einen bescheidenen Haushalt in der Südtor-Allee ging es weniger ums Leben als vielmehr ums Überleben – ein…

Für einen bescheidenen Haushalt in der Südtor-Allee ging es weniger ums Leben als vielmehr ums Überleben – eine Existenz, die der jugendliche Zhang Ankang verachtete. Eine Familie, drei Mahlzeiten am Tag, jedes Stückchen Silber wurde gezählt. Wenn sie Glück hatten, konnten sie beim Metzger Fleischreste im Sonderangebot ergattern, und das galt dann schon als Festmahl. Die Nachbarn stritten unaufhörlich. Heute tratert die eine Familie über die andere. Morgen zankte der Osten mit dem Westen. Wenn es mittags regnete und ein Haushalt seine Wäsche hereinholte, ohne die anderen zu warnen, dann blieben sie beim nächten Mal, wenn der Himmel sich verdunkelte oder Vögel tief flogen, einfach stumm. Als Zhang Ankang jung war, dachte er, dies seien die wichtigsten Dinge der Welt. Als er älter wurde, begriff er, wie kleinlich Menschen sein konnten. Warum Jahre mit solchem Unsinn verschwenden? Doch sein Leben bestand aus diesen Kleinigkeiten. Der Ort war erdrückend, zu eng. Er sehnte sich nach etwas Großem. In seinen Vorstellungen sollte es vor einem großen Ereignis gewaltige Vorzeichen geben, wie in den Geschichten umherziehender Helden. Doch wenn wirklich große Dinge kommen, geschehen sie lautlos. Keine feuchte Vorbotin des Regens, keine tief fliegenden Insekten, keine erstickende Spannung in der Luft. Das Omen eines Massakers war leiser als ein Nieselregen in der Kaifeng-Stadt. Die Glocke der Hopewell Akademie läutete zur gewohnten Stunde. Die Straßen waren erfüllt vom Geschrei der Händler. Damals hatten sich nur wenige je die Frage gestellt: Wofür würden die meisten Menschen in dieser Welt bis zum Tod kämpfen? Innerhalb weniger Stunden würde diese Frage keine Antwort mehr benötigen. Für manche war das, wofür sie ihr Leben geben würden, einst nur ein gewöhnlicher Moment, den sie für selbstverständlich hielten. Ein Zuhause. Drei Mahlzeiten am Tag. Eine Handvoll Münzen. Sie würden um die Rückkehr eines so banalen Lebens flehen, dass ein Streit über vergessene Wäsche sich über Jahre hinziehen könnte. Hab keine Angst. Nach dem Regen werden die Feuer der Kaifeng-Stadt erlöschen. Nein, wie könnten sie? Ein Feuer, das von Menschenleben entfacht wurde, kann nicht gelöscht werden, bis der letzte, der sich daran erinnert, verschwunden ist. Stattdessen zersplittert es in winzige Funken, die sich in den Stoff des Schicksals einschleichen. Es brennt unter der Haut unzähliger Seelen, versengt ihre Tage, einen nach dem anderen.

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